1173
Baubeginn
| Laut Vasari beginnt Bonanno Pisano 1173 mit der Errichtung des Turmes.
Der Inschrift am Eingang des Turmes zufolge ist es allerdings August 1174.
Die Inschrift soll ein Fragment aus der Inschrift des Sarkophages von Bonanno sein.
Das Fundament in ca. 3m Tiefe besteht aus einer runden, 40cm starken Lage aus Steinen mit knapp 20m Durchmesser.
Diese Fläche und die Fundamenttiefe sind damit viel zu gering dimensioniert.
Über der Fundamentplatte erhebt sich die Ringmauer mit an der Basis 4m Wandstärke.
Die Wandstärke der oberen Geschosse nimmt entsprechend der zunehmenden Tiefe der
Säulenloggien ab.
Die Wendeltreppe für den Turmaufstieg ist ca. 1m breit und verläuft im Inneren der Ringmauer.
Dadurch wird die Tragfähigkeit der verbleibenden Mauerstärke wesentlich geschwächt.
[BALDACCI 1995]
Das Innere der Ringmauer besteht nicht aus behauenen Quadern, sondern aus schlecht vermörtelten Bruchsteinen,
die wenig Druck aufnehmen können. Bevor der Turm als ganzes Bauwerk kippt, wird deshalb wohl
das Mauerwerk im unteren Turmteil in der Neigungsrichtung zerbersten. Der Bruch sollte an dem Punkt erfolgen,
an dem der Wendelgang die Neigerichtung kreuzt. Der Turm stürzt in sich zusammen.
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Einseitig weicher Untergrund
| Der Untergrund des Turmes besteht aus Flusssediment.
Das weiche, lehmige Material verhält sich unter der Last des ca. 14500 t schweren Marmors plastisch.
Unglücklicherweise ist die Lehmschicht nicht gleichmäßig mächtig:
Nach Süden, in Richtung der Turmneigung wird die Schicht dicker.
Hier sinkt der Turm schneller ein.
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1184 Baustop
| Nach 10 Jahren Bauzeit sind mit 25m Höhe 3 der 7 Geschosse fertig
und der Turm hat bereits eine leichte Neigung von 5cm erfahren, vergleichbar mit der Neigung der Apside des Domes daneben.
Es ist absehbar, dass der weitere Aufbau des Turmes die Neigung vergrößern wird.
Bonnano Pisano fürchtet um sein Renommee als Baumeister und stellt den Weiterbau lieber ein.
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1274-1284 Weiterbau mit Knick
| 90 Jahre später liegt wohl keine (messbare) Neigebewegung mehr vor. Giovanni di Simone riskiert den Weiterbau.
Vermutlich unterstellt er, dass sich der Untergrund inzwischen ausreichend verdichtet hat.
Di Simone baut auf die 3 schiefen Stockwerke die restlichen 4 Stockwerke senkrecht auf,
so dass ein kleiner "Knick" im Turm entsteht.
Leider löst di Simone damit eine erneute Neigungsbewegung aus und stoppt deshalb den Bau noch
ohne den an sich unverzichtbaren Glockenstuhl.
Im Jahre 1298 messen Giovanni Pisano und "Meister" Orsello eine Abweichung
vom Lot von 143 cm, woraufhin auch diese die Fertigstellung des Turmes zurückstellen.
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1360 Glockenstuhl erneut mit Knick
| 1360 hat die Neigung 163cm erreicht. Das bedeutete eine Verlangsamung der
Neigebewegung in den letzten 60 Jahren. Um den Turm doch noch als campanile nutzen zu
können, wagt Tommaso Pisano den Bau des Glockenturmes,
den er korrekt senkrecht auf den wieder schiefen Unterbau setzte.
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1360-1838 Neigung verlangsamt sich
| Die Neigungsdynamik verliert in den folgenden Jahrhunderten.
1590 führt Galileo Galilei seine Fallexperimente durch.
Im Jahre 1838 entfernt der Architekt Alessandro Gherardesca die Turmbasis
vom umgebenden Erdmaterial und richtet stattdessen das Marmorbassin ein.
Seine Motive dazu sind nicht bekannt. Möglicherweise wurde dadurch die Neigungsbewegung
wieder ausgelöst und erreicht 1918 einen Überhang von 5,1m. [BALDACCI 1995]
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1912-1990
| 1912 wird aufgrund des überraschenden Einsturzes des Campanile in Venedig eine Kommission, die 1. von 14,
zur Identifizierung von Konsolidierungsmaßnahmen am Turm eingesetzt.
[BALDACCI 1995]
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1990
| Nachdem sich die mittlere jährliche Neigungsbewegung seit 1918 auf 1-1,2 mm/a
etwas verlangsamt hatte, wird 1990 wieder eine Zunahme gemessen.
Die Einsturzgefahr ist offensichtlich und der Turm wird für die Öffentlichkeit geschlossen.
In Folge wird Prof. Michele Jamiolkowski mit der Turm-Rettung beauftragt.
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Bleigewichte, Erdanker, Hosenträger
| 1994 werden 690 Tonnen Bleibarren als Gegengewicht an der Nordseite des Turmes deponiert.
1995 sollen senkrechte, 40m tiefe Erdanker die Wirkung der Bleigewichte unterstützen.
Die Neigungsbewegung stoppt tatsächlich.
Der Versuch, den Untergrund in Neigungsrichtung mit Beton-Injektionen zu stabilisieren,
bringt keinen Erfolg, ebensowenig wie eine Vereisung des Untergrundes.
1998 wird der Turm mit 2 Stahlseilpaaren abgespannt, die die Fundamente in der
Neigungsrichtung entlasten und auf der Nordseite belasten.
Die Seile ("bretelle" = Hosenträger getauft) werden im 3. Turmgeschoss an der inneren
Mauer befestigt.
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1999 Lösung für die nächsten 200 Jahre
[Foto: torre.duomo.pisa.it ]
| Ab Februar 1999 kommt eine Technik zum Einsatz, die in den 60er Jahren an der Kathedrale
in Mexiko Stadt bereits Erfolg hatte:
Dabei wird dem Turmuntergrund auf der hangabgewandten Seite Erdmaterial
entnommen. Das Projekt verspricht ca. 30-50 cm Korrektur des Überhangs.
Zunächst testweise werden wenige Bohrungen bis in ca. 5 m Tiefe unter dem nördlichen Fundament angebracht.
Bis zu 100 kg Erde täglich fallen als Abraum an.
Das Zwischenergebnis im Mai 1999 ist nach 2 t Aushub und 16 mm Aufrichtung erfolgversprechend.
Stand im September 2000: 24 cm weniger Überhang. Das Ziel ist nach ca. 30t Erdaushub im Mai 2001 erreicht.
Das Bild zeigt die Mündung der Extraktionsrohre, die schräg unter den Turm zeigen.
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Dezember 2001
| Wiedereröffnung.
Eintrittspreis: 15 € (Stand Anfang 2007)
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Täglich von 8:30 bis "Sonnenuntergang",
vom 14. Juni bis 15. September auch von 20:30 bis 23:00
geschlossen am 1. Januar und 25. Dezember
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Weitere Quellen
| Gute Detail-Fotos des Turmes unter http://torre.duomo.pisa.it
Texte in italienisch / englisch.
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